Snoop Dogg
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Snoop Dogg

Snoop Dogg erblickt als Calvin Broadus am 20.10.1971 in Long Beach, Kalifornien das Licht der Welt. Den Spitznamen "Snoop" bekommt er früh von seiner Mum verliehen. Während der Teenager-Zeit befindet sich Klein-Snoop ständig im Konflikt mit dem Gesetz und wird kurz nach seinem High School-Abschluss wegen Besitzes von Kokain verhaftet. Die Karriere als Gangster steht vor der Tür. 

Doch Broadus Junior schafft durch seine aufkeimende Liebe zum Hip Hop den Ausstieg aus der Kriminalität. Er gründet mit Warren G und Nate Dogg die Gruppe 213. Das Trio tritt bei Blockpartys auf und verteilt via Street-Promo Tapes in LA. Das Rapgame dominiert derweil ein gewisser Dr. Dre mit seiner Gruppe N.W.A. Nach dem unrühmlichen Ende der Niggas With Attitude startet dieser dann eine Solokarriere bei Death Row-Records. Zusammen mit seinem Boss Suge Knight beobachtet er danach die Gruppe 213. Dre ist von Snoops Style so beeindruckt, dass er ihn unter seine Fittiche nimmt.

Im Jahr 1992 steht mit Dr. Dres "The Chronic" das erste Ergebnis dieser fruchtbaren Kollabo in den Läden und schlägt weltweit ein wie die berühmte Bombe. Der G-Funk ist geboren, und die erste Single "Nuthing But A G Thang" krönt der Rolling Stone später als eine der besten Songs der 90er. Zwar darf Snoop "Doggy" Dogg nur ein paar Raps droppen und Eazy E dissen, doch das genügt bereits, um durch seinen "arroganten Hustler-Stil" (Rolling Stone) und dem umstrittenen Realitätsgehalt seiner Lyrics zum Star zu avancieren. Noch mehr Öl ins Gangsta-Feuer kippt Snoops kurzzeitige Verhaftung, als sein Bodyguard einen gewissen Phillip Woldermarian während einer Autofahrt angeblich aus Notwehr erschießt.

Die erste echte Bewährungsprobe für den Dog folgt mit seinem Debüt "Doggystyle" 1993. Ebenfalls über Death Row veröffentlicht und von Dre produziert gelingt Mr. Broadus damit ein ähnlicher Rap-Klassiker wie "The Chronic". Angeführt von der Leadsingle "What\'s My Name" verkauft sich das Album allein in den USA über vier Millionen Mal. Die Videos mit coolen Cabriolets, lasziven Ladys und protzigen Pimps setzen ebenfalls Maßstäbe. Doch das Ende der G-Funk-Ära naht, als New York kurz darauf dem kreativen Wahnsinn verfällt. Die harten Eastcoast-Erstlingswerke von Notorious B.I.G., Nas und vom Wu-Tang Clan verdrängen den G-Funk ein wenig von der Bildfläche, und Snoops respektable, zweite Platte "The Doggfather" erscheint erst drei Jahre später.

Die Folgezeit ist von Querelen mit Death Row geprägt. Erst verlässt Dre im Streit das Label, dann wird Tupac Shakur kurz darauf in Las Vegas erschossen. Snoop bleibt so der einzige Superstar bei Suge Knight und gerät zusehends zwischen die Fronten des schwellenden Eastcoast-Westcoast-Beefs. Da er auch mit Notorious B.I.G. down ist, ergreift er keine Partei für den Labelkollegen. Den Gerüchten zu Folge soll 2Pac von diesem Verhalten extrem enttäuscht gewesen sein. Aber so ganz kann sich auch Snoop dem Streit nicht entziehen, disst er doch den Big Apple auf einem Track mit seiner Dogg Pound-Crew (Daz, Kurupt). Die Antwort in Person von Capone-N-Noreaga ("LA, LA") lässt übrigens nicht lange auf sich warten. Mit dem Mord an Biggie im Jahre 1997 endet der Beef jedoch.

Und auch für Snoop endet ein Lebensabschnitt, denn er verlässt angewidert von Suge Knight als letztes großes Zugpferd Death Row-Records. Als symbolische Geste streicht er das "Doggy" aus seinem Künstlernamen. Seit dem Abgang herrscht Hass zwischen den beiden Ex-Kollegen. Knight soll sogar Leute angeheuert haben, um den Dogg zu verprügeln. Doch was nicht tötet, härtet ab, und so steigt Snoop beim seinerzeit äußerst angesagten Master P ins No Limit-Boot. Ein zweifelhafter Schachzug seinerseits, denn die folgenden Platten "Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told" und "No Limit Top Dogg" überzeugen nicht wirklich. Zu ausgelutscht und austauschbar klingen die Synthie-Beats von Percy Millers Produzenten-Crew. Seine Wandlung vom Gangster zum Pimp bleibt vorerst gewöhnungsbedürftig.

Trotzdem hält Snoop seinen Namen im Gespräch, und zum Millenium funkt es wieder zwischen ihm und Dr. Dre. Die folgende Reunion nützt beiden, denn zusammen überwinden sie ihre kreativen Krisen. Der Doktor legt mit seiner "The Chronic 2001" den Grundstein zum endgültigen Legendenstatus und rettet den G-Funk ins nächste Jahrtausend, während der Doggfather mit seinem stärksten Album seit dem Debüt aufwartet. Selbst das von Death Row mit angestaubten Tracks und ohne seine Einwilligung auf den Markt geworfene "Dead Man Walking"-Werk schüttelt Snoop mit "Tha Last Meal" ab wie eine lästige Fliege.

"Das letzte Mahl" ist zudem auch sein letztes gemeinsames Essen mit Master P, Snoop versucht fortan seine ersten eigenen, unabhängigen Schritte im Rapgame bzw. Musikbiz zu gehen. So eist er Kid-Rapper Lil\' Bow Wow von Death Row los und legt dessen Karriere in die weniger schmutzigen Hände von Jermaine Dupri. Zudem tritt er als Gast bei Jay-Z, dem Wu-Tang Clan oder Outkast auf und versucht sich als Schauspieler ("Training Day", "Bones", "The Wash") bzw. trotz Frau und dreier Kinder als Pornodarsteller. Sein Ausflug ins X-Rated-Genre bleibt aber vorerst einmalig, denn Calvin Broadus möchte reifer werden.

So träumt er u.a. davon, eine Radiostation zu leiten, in der alle Arten von Musik gespielt werden, denn Snoop liebt auch Jazz und Reggae. Doch bevor er als Radio-DJ über den Äther drönt und Bruce Springsteen ansagt, muss erst einmal das Rapgame erobert werden, und dazu braucht man einen klaren Kopf. Er entsagt dem Weed und Alkohol und baut sich sein eigenes "Doggy Style Records" als Sublabel vom Major MCA auf. Als erstes signt er alte Death Row-Weggefährten wie Lady Of Rage, RBX oder Daz.

Nach 14 Millionen verkauften Alben allein in den USA hat sich Snoop Dogg endlich zu millionenschweren Entrepreneuren wie Puff Daddy oder Master P gesellt. Da dürfen auch die obligatorischen Action-Figuren, die Modekollektion "Snoop Dogg Clothing" und die eigene Cadillac-Marke "Snoop DeVille" nicht länger fehlen. In der zweiten Jahreshälfte greift er mit den Alben "Presents: The Doggy Style Allstars" und "Paid The Cost To Be The Boss" wieder aktiv ins Rapgeschehen ein.

Durch seinen Schulterschluss mit Pharrell Williams und seinem Star Trak-Camp verändert sich auch Snoops Soundästhetik. Waren es früher noch Dres Synthie-G-Funk-Lines, auf die Snoop seine patentierten Raps legte, flowt er mittlerweile auf Neptunes\'sche Elektroklänge. Bestes Beispiel: Superhit "Beautiful", das dank Pharrells Falsett-Hook Ärsche von Rio bis Moskau bewegt.

Die musikalische Absicherung der Neptunes-Hitgarantie schafft Snoop noch mehr Raum, sich als Styler zu etablieren. Seine flapsigen Raps ergänzen sich perfekt mit den Klicks und Klacks aus dem Hause Williams/Hugo. Für einen Welthit braucht er nicht viel mehr als ein Drumpattern mit einem Zungenschnalzen, und die Tanzflächen brodeln. "Drop It Like It\'s Hot", die erste Single zu Album Nummer 10 "R & G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece", entert die Charts und Snoop ist endgültig Everybodys Darling. Er verkauft, in bester George Forman-Manier, Toaster und trifft sich auch mal mit UK-Staatsoberhaupt Tony Blair auf ein Schwätzchen.

Snoop meistert in Perfektion das Spagat zwischen Alt und Neu: Früh genug beendet er seine Beziehung zu seinem ehemaligen Death Row-Chef Suge Knight, der 2006 vor den Trümmern der Westcoast-Institution Death Row steht. Trotzdem vergisst er seine Wurzeln nicht und veröffentlicht das Album "The Hard Way" mit seinen alten Kumpanen Nate Dogg und Warren G als 213. Außerdem erscheint im Sommer 2006 die Tha Dogg Pound-Reunionplatte "Cali Iz Active" - eine weitere Snoop-Supergroup in Zusammenarbeit mit Daz Dillinger und Kurupt. Die Liebe der Westcoast-Fans der alten Stunde hat Snoop somit weiterhin sicher. Die neue Generation der Hip Hop-Hörerschicht ist dank Pharrell Williams sowieso auf Snoops Seite.

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